PowerMii auf der GEBF 2026
Das PowerMii-Projekt war auf dem 13. Kongress der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF) an der Technischen Universität München vertreten.
Der Kongress, der unter dem Leitthema „Bildungsforschung für technologiebedingte gesellschaftliche Entwicklungen“ stand, versammelt regelmäßig Beiträge, die sich theoriegeleitet und methodisch fundiert mit zentralen Fragen von Bildung, Ungleichheit und gesellschaftlicher Transformation auseinandersetzen .

Der Beitrag von PowerMii war in ein Symposium zu Übergängen und Platzierungsprozessen geflüchteter Jugendlicher im deutschen Berufsbildungssystem eingebettet, das von Dr. Oliver Winkler und Dr. Franziska Meyer (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) verantwortet wurde. Das Symposium zeichnete sich durch eine konzeptionell klar geführte Zusammenführung unterschiedlicher disziplinärer und methodischer Zugänge aus – von qualitativen biografischen Analysen bis hin zu quantitativen Sekundärdatenanalysen – und stellte diese systematisch in Beziehung zueinander. Auf diese Weise wurde ein analytischer Rahmen eröffnet, der individuelle Bildungsverläufe konsequent mit strukturellen Bedingungen des Ausbildungssystems zusammendenkt und insbesondere geschlechtsspezifische sowie migrationsbezogene Ungleichheiten differenziert in den Blick nimmt .
In diesem Kontext präsentierten Prof. Dr. Stefan Thomas, Dr. Lena Ludwig und Linda Zirkler Ergebnisse aus dem Projekt PowerMii unter dem Titel:
„Bildungsbiografien und Empowerment – Narrative Typologien von Mädchen mit Fluchterfahrung in der Berufsvorbereitung“ .
Ausgehend von biografisch-narrativen Interviews rekonstruiert der Beitrag typische Muster, in denen junge Frauen ihre Bildungsbiografien unter Bedingungen migrationsbezogener und sozialer Ungleichheit bearbeiten. Die vergleichende Analyse verdichtet sich zu drei Modi biografischer Handlungsorganisation:
• Bildung als individualisiertes Zukunftsprojekt
• als relationale Anschlussarbeit
• als stabilisierende Bewältigungsstruktur unter restriktiven Bedingungen.
Der Beitrag lässt sich damit auch als kritische Perspektive auf verbreitete Verkürzungen des Empowerment-Begriffs lesen. Insbesondere wird deutlich, dass Prozesse der Aktivierung und Selbstverantwortung häufig mit einer Individualisierung struktureller Problemlagen einhergehen. Bildungsbiografien erscheinen vor diesem Hintergrund nicht primär als Erfolgsgeschichten, sondern als unterschiedliche Weisen, gesellschaftliche Ungleichheit biografisch zu bearbeiten.
Die Einbettung in das Symposium ermöglichte es, diese Perspektive im Dialog mit komplementären Arbeiten zu diskutieren, die sowohl institutionelle Selektionsmechanismen als auch arbeitsmarktbezogene Platzierungsprozesse in den Blick nehmen, und so unterschiedliche Ebenen der Reproduktion von Ungleichheit analytisch miteinander zu verschränken.
Empowerment von Mädchen und Frauen – fachlicher Austausch des Projektstandorts Brandenburg mit dem Projekt FemPower
Im Rahmen von PowerMii fand ein fachlicher Austausch des Projektstandorts Brandenburg mit dem Projekt fempower statt.
Im Zentrum standen grundlegende konzeptionelle und methodologische Fragen zur Bestimmung von Empowerment im Kontext bildungsbenachteiligter Mädchen mit Migrationsgeschichte. Ausgangspunkt der Diskussion war ein Verständnis von Empowerment, das über individualisierte Selbstwirksamkeitskonzepte hinausgeht und vielmehr als relationale, strukturell eingebettete Erweiterung von Verfügungsmöglichkeiten über die eigenen Lebensbedingungen gefasst wird. Vor diesem Hintergrund wurden Potenziale und Ambivalenzen partizipativer Forschungsansätze (insbesondere im Sinne partizipativer Aktionsforschung) diskutiert.

Ein besonderer Fokus lag auf den Spannungsfeldern transdisziplinärer und transformativer Forschung: der Gleichzeitigkeit von wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion und sozialer Intervention, den Anforderungen an epistemische Qualität bei gleichzeitiger Öffnung gegenüber lebensweltlichen Wissensformen sowie der Frage, wie kollaborative Forschungsprozesse so gestaltet werden können, dass sie nicht in symbolischer Partizipation verbleiben, sondern tatsächliche Handlungsmächtigkeit ermöglichen.
Mit ihrer Expertise in den Bereichen migrationsbezogene Bildungsforschung, geschlechterreflektierte Perspektiven und Empowermentansätze brachten Annette Konrtheuer, Katharina Wehking und Judith Bucher – zusammen mit ihren Projektteams – zentrale Impulse in die Diskussion ein.
Prof. Dr. Annette Korntheuer arbeitet an der Hochschule München im Feld der Flucht- und Migrationsforschung mit besonderem Fokus auf Bildungsintegration, intersektionale Ungleichheitslagen und Fragen sozialer Transformation.
Dr. Katharina Wehking (Professurvertretung) ist an der Universität Osnabrück in der Berufsbildungsforschung verortet und untersucht insbesondere strukturelle Bedingungen, Ausschlussmechanismen und Übergänge junger Menschen mit Fluchterfahrung in Ausbildungssysteme.
Judith Bucher arbeitet an der Hochschule München zu intersektionalen Bildungsbarrieren, migrationsbezogenen Bildungsprozessen sowie zu partizipativen Forschungsansätzen im Kontext von Empowerment.
Der Austausch ist Teil einer strategischen Weiterentwicklung des Projekts, die darauf zielt, partizipative Forschung nicht nur als methodisches Instrument, sondern als epistemisch und gesellschaftlich wirksame Praxis im Spannungsfeld von Forschung, Transfer und sozialer Transformation zu profilieren.