Konferenz
17. Konferenz der European Sociological Association (ESA)
26.08.2026 · Szkoła Główna Gospodarstwa Wiejskiego (SGGW), Warschau
Leitthema: „Strengthening Democracies: Social Action, Solidarity, and Sustainable Futures“
Vom 25. bis 28. August 2026 fand in Warschau die 17. Konferenz der European Sociological Association statt, unter dem Leitthema „Strengthening Democracies: Social Action, Solidarity, and Sustainable Futures“. PowerMii war im Research Network 10 (Sociology of Education) vertreten, in der Session „Education, Inequality, and Social Action for Sustainable and Democratic Futures“ unter der Leitung von Anna Odrowąż-Coates und Cecilia Zsögön (The Maria Grzegorzewska University).
Der Beitrag
Prof. Dr. Stefan Thomas, Linda Zirkler und Dr. Lena Ludwig stellten den Beitrag „Empowerment in Unequal Educational Contexts: Migrant Girls Navigating Agency and Structural Inequalities“ vor. Er führt die auf der GEBF vorgestellte Typologie biografischer Bildungsverläufe weiter und legt eine zweite Analyseebene darüber: zwei Formen der Selbstpositionierung, die quer zu allen drei Typen verlaufen.

Erste Form: Zurückweisung der Adressierung
Diese besteht darin, sich als bereits handlungsfähig zu positionieren und die Adressierung als zu stärkende Person zurückzuweisen.
Zweite Form: Situative Anpassung
Diese ist eine Praxis situativer Anpassung — Konfliktvermeidung, Konformität und das, was der Beitrag als strategische Unsichtbarkeit bezeichnet. Unter Bedingungen ausgeprägter institutioneller Asymmetrie und unsicheren Aufenthaltsstatus ist Unsichtbarkeit keine Passivität, sondern eine rationale Strategie der Risikominimierung.
Beide Formen sind Ausdruck von Handlungsfähigkeit — und beide bleiben, in der Begrifflichkeit der Kritischen Psychologie, restriktiv: Sie sichern eine Position innerhalb des institutionellen Arrangements, ohne dass dieses Arrangement selbst zum Thema würde. Daraus ergibt sich die zentrale These des Beitrags:
Zentrale These
Was in berufsvorbereitenden Bildungsgängen fehlt, ist nicht Handlungsfähigkeit, sondern ein Ort, an dem die gesellschaftlichen Bedingungen von Handlungsfähigkeit zum gemeinsamen Gegenstand werden können.
Europäische Bezüge
Die Session machte Parallelen über nationale Kontexte hinweg sichtbar. Kornelija Čepytė-Eivė (Lithuanian Centre for Social Sciences) zeigte für Litauen, wie Bildungspolitik die Verantwortung für Integration und Spracherwerb an Schulen, Schülerinnen und Familien delegiert. Was dort auf der Ebene der Policy als Responsibilisierung beschrieben wird, findet sich in den PowerMii-Daten als Form wieder, die Bildungsbiografien annehmen: Gesellschaftliche Integrationsanforderungen werden in individuelle Bildungsleistungen übersetzt. Anna Odrowąż-Coates ergänzte diese Perspektive um die Frage, wie Bildungsinstitutionen an der Entstehung von geringem Selbstwert mitwirken.
Ausblick
Für die zweite Runde der Empowerment-Forschungsgruppen im Schuljahr 2026/27 folgt daraus eine Fokussierung des Gegenstands. Wir wollen die forschende Aneignung des Sozialraums Schule durch die Teilnehmerinnen forcieren: wie diese Institution funktioniert, wer in ihr entscheidet, welche Regeln für wen gelten und welches Wissen vorausgesetzt wird, ohne dass es irgendwo festgehalten wäre. In einem zweiten Schritt wollen wir dies an die biografischen Selbstpositionierungen der Mädchen rückkoppeln.
