Rückblick & Dank
Am 20. November fand an der Fachhochschule Potsdam die bildungswissenschaftliche Tagung „emPOWER: Forschungs- und Entwicklungsperspektiven zum Empowerment von bildungsbenachteiligten Schüler:innen“ statt. Gemeinsam mit den Teilnehmer:innen aus Wissenschaft, Praxis sowie den Mädchen aus unseren Projektgruppen konnten wir einen inspirierenden Tag voller Austausch, fachlicher Impulse und Zukunftsperspektiven gestalten. Wir bedanken uns herzlich bei allen Vortragenden, Panelteilnehmer:innen und Gästen für Ihre engagierte Mitwirkung!
Die Tagung thematisierte zentrale Fragen von Bildungsgerechtigkeit, Empowerment und Teilhabe. Im Mittelpunkt standen Herausforderungen und Chancen, die sich insbesondere für Schüler:innen mit intersektionalen Benachteiligungen ergeben. In den Vorträgen und Panels wurde deutlich, wie bedeutend empowernde Bildungsarbeit für gelingende Bildungsbiografien und soziale Teilhabe ist.
Eröffnung des BMBF-Verbundprojekts „PowerMii“
Mit der Tagung wurde offiziell das vom BMBF geförderte Verbundprojekt „PowerMii“ eröffnet. Das Projekt hat zum Ziel, Empowerment-Forschungsgruppen für Mädchen mit Migrationshintergrund in beruflichen Schulen aufzubauen und ein praxisnahes Unterrichtskonzept für ländliche Regionen zu entwickeln. Die Tagung diente als wichtiger Auftaktpunkt, um Forschungsfragen, theoretische Perspektiven und Praxisbedarfe gemeinsam zu reflektieren.

Inhalte der Tagung
Keynotes – Impulse aus Wissenschaft und Praxis
Keynote 1 – Dr. Katharina Wehking (Universität Osnabrück)

In ihrer Eröffnungs-Keynote gab Dr. Katharina Wehking einen kompakten, aber eindrucksvollen Einblick in die aktuellen Herausforderungen geflüchteter Frauen bei ihrem Zugang zur beruflichen Bildung. Sie zeigte auf, dass berufliche Ausbildungs für diese Zielgruppe trotz hoher Motivation und Potenziale nur schwer zugänglich bleibt. Gründe liegen unter anderem in sprachlichen Hürden, Care- Verpflichtungen, fehlender Anerkennung zuvor erworbener Qualifikationen und geschlechtsspezifischen Erwartungen in Beratung und Berufsorientierung.
Auf Basis ihres systematischen Reviews und erster Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt FEMPower betonte sie, wie stark Fluchtgeschichte, Geschlecht und soziale Positionierung ineinandergreifen und wie wichtig intersektionale Perspektiven für eine gelingende Ausbildungsintegration sind. Empowerment-Ansätze, Sichtbarmachung weiblicher Vorbilder und strukturelle Unterstützung (z.B. Teilzeitausbildung, Kinderbetreuung) wurden als zentrale Gelingensbedingungen herausgestellt.
Keynote 2 – Dr. Ingeborg Beer
Dr. Ingeborg Beer führte anhand eines umfangreichen Forschungsprojekts aus Berlin-Brandenburg ein, wie partizipative Forschung konkret umgesetzt werden kann – gemeinsam mit Menschen, die von Flucht und sozialer Ungleichheit betroffen sind. Sie zeigte, dass partizipative Forschung weder ein linearer noch ein standardisierter Prozess ist, sondern eine kooperative Arbeit, die unterschiedliche Wissensformen zusammenbringt und Teilnehmende aktiv in Datenerhebung, Reflexion und Gestaltung einbindet.

Ein zentrales Thema war das Verständnis von Empowerment: nicht als „Hilfe zur Selbsthilfe“, sondern als machtkritischer Ansatz, der strukturelle Bedingungen sichtbar macht und Handlungsmöglichkeiten erweitert. Beer verdeutlichte dies anhand konkreter Teilprojekte – von Theaterarbeit bis zu Nachbarschaftsinitiativen – und reflektierte Chancen, Grenzen und Gelingensbedingungen solcher Prozesse.
Ihr Fazit: Partizipation und Empowerment gehören zusammen, wenn Teilhabe nachhaltig gestärkt werden soll.
Keynote 3 – Prof. Dr. Nora Ruck (Universität Wien)
In ihrer Keynote beleuchtete Prof. Dr. Nora Ruck, wie kritisch-partizipative Aktionsforschung (CPAR) und feministische Bewusstseinsbildungsansätze zusammengeführt werden können, um soziale Ungleichheiten sichtbar zu machen und Veränderungsprozesse anzustoßen. Anhand eines Forschungsprojekts mit Beraterinnen aus Wiener Frauenberatungsstellen zeigte sie, wie kollektive Erinnerungsarbeit, dokumentarische Methode und hermeneutische Ansätze genutzt werden, um latente Bedeutungsstrukturen, Machtverhältnisse und widersprüchliche Handlungsspielräume im Beratungsalltag zu analysieren .
Ruck betonte, dass CPAR immer ein gemeinsamer Prozess ist, in dem Forschung und Veränderung miteinander verwoben sind. Gleichzeitig stellte sie die ethischen Herausforderungen heraus: Wer interpretiert? Wer hat Deutungshoheit? Und wie lässt sich Bewusstseinsbildung fördern, ohne subjektive Erfahrungen zu übergehen? Die Keynote machte deutlich, wie wirkungsvoll partizipative Forschung sein kann, wenn sie kollektive Erfahrungen ernst nimmt und kritisch reflektiert.

Keynote 4 – Dr. Florian Cristóbal Klenk (Europa-Universität Flensburg)
In seinem Vortrag beleuchtete Dr. Florian Cristóbal Klenk, wie Schulen mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen – und warum Lehrkräfte dafür differenzreflexive Kompetenzen benötigen. Er zeigte auf, dass pädagogisches Handeln immer vor dem Hintergrund von Kategorien wie Ableismus, Rassismus, Klassismus und Heteronormativität steht und dass diese Differenzen oft unbewusst hergestellt oder verfestigt werden.

Klenk stellte zentrale Konzepte der aktuellen Differenz- und Intersektionalitätsforschung vor und verdeutlichte anhand empirischer Beispiele, wie stark Bildungsbiografien von strukturellen Barrieren geprägt sein können. Gleichzeitig wurde deutlich: Lehrkräfte benötigen ein Bewusstsein dafür, wie Differenzen entstehen, wozu sie dienen und welche Folgen sie haben. Nur so kann Schule ein Ort werden, an dem Ausgrenzungsmechanismen abgebaut und echte Teilhabe ermöglicht wird.
Panels – Einblicke in laufende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
In den thematischen Panels hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, einen Blick in unterschiedliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu werfen, die sich mit Fragen von Bildungsgerechtigkeit, Empowerment und Teilhabe befassen. Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Karrierephasen präsentierten ihre aktuellen Arbeiten und stellten sowohl theoretische Zugänge als auch empirische Ergebnisse zur Diskussion.
Die Panels boten Raum für vertiefende Gespräche über Herausforderungen im Bildungssystem, methodische Ansätze in der Forschung sowie konkrete Praxisbezüge.
Durch die Vielfalt der Beiträge entstand ein breites Bild davon, wie Empowerment in unterschiedlichen Kontexten gedacht, erforscht und umgesetzt wird. Die Panels machten zugleich deutlich, an welchen Punkten weiterer Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht und wo bereits innovative Ansätze sichtbar werden, die Potenziale für eine nachhaltige Stärkung benachteiligter Schüler:innen eröffnen.



In den thematischen Panels hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, einen Blick in unterschiedliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu werfen, die sich mit Fragen von Bildungsgerechtigkeit, Empowerment und Teilhabe befassen. Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Karrierephasen präsentierten ihre aktuellen Arbeiten und stellten sowohl theoretische Zugänge als auch empirische Ergebnisse zur Diskussion.
Durch die Vielfalt der Beiträge entstand ein breites Bild davon, wie Empowerment in unterschiedlichen Kontexten gedacht, erforscht und umgesetzt wird. Die Panels machten zugleich deutlich, an welchen Punkten weiterer Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht und wo bereits innovative Ansätze sichtbar werden, die Potenziale für eine nachhaltige Stärkung benachteiligter Schüler:innen eröffnen.
Eindrücke & Ausblick
Die Tagung „emPOWER“ bot nicht nur fachliche Impulse, sondern auch einen Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar wurden. Besonders prägend war die Anwesenheit der Mädchen aus unseren Projektgruppen, die aufmerksam während der Keynotes und Panels zuhörten und bei Fragen offen für Gespräche waren. Insgesamt entwickelte sich über den Tag hinweg eine konzentrierte, zugleich offene Arbeitsatmosphäre, in der Teilnehmende miteinander ins Gespräch kamen, sich vernetzten und Themen weiterdachten.
Mit dem Tagungsauftakt wurde zudem ein gemeinsamer Ausgangspunkt für das weitere Arbeiten im Verbundprojekt „PowerMii“ geschaffen. Viele der angesprochenen Fragen – etwa zu intersektionalen Benachteiligungen, Handlungsspielräumen im Schulalltag oder empowernden Konzepten – werden in den kommenden Monaten vertieft. Die Tagung zeigte deutlich, wie wichtig es ist, Forschung, praktische Erfahrungen und die Perspektiven junger Menschen zusammenzuführen. Daran wollen wir anknüpfen und die Ergebnisse weiter in die Projektarbeit und zukünftige Veranstaltungen einfließen lassen.
Materialien / Downloads
Die Präsentationen und ausgewählte Impressionen der Tagung stehen hier zum Download bereit:
